Autor: mowa

  • Es lebe der (Mungbohnen-)Protest!

    Es lebe der (Mungbohnen-)Protest!

    Mein Mann hatte Geburtstag. Heute Morgen bin ich deshalb zum nächsten Supermarkt geradelt, um für Bibimbap einzukaufen, eines seiner Lieblingsgerichte. Am Abend wollen wir es zusammen mit einem Freund genießen, dieses koreanische Nationalgericht.

    Ohne Sprossen geht es nicht, siehe dieses sehr schöne Rezept. In Japan, wo ich herkomme, gehören sie zum Alltag wie bei uns die Gurken. Das Foto oben habe ich vor drei Jahren in einem japanischen Supermarkt aufgenommen: 300 g für 89 Yen, also knapp 30 Yen pro 100 g, nach damaligem Wechselkurs rund 20 Cent.

    Im Supermarkt kostete eine 200-g-Packung Mungbohnensprossen heute Morgen dagegen etwa 4,50 Euro. Ich spürte eine riesige Wut in mir und habe sie gleich genutzt, bin weiter zum zentral gelegenen Asiamarkt geradelt und habe dort 500 g für 1,19 Euro gekauft. Was für eine Wohltat.

    Das sind 2,25 Euro pro 100 g im Supermarkt und 24 Cent im Asiamarkt, in derselben Stadt, fast das Zehnfache. Woran liegt das, wenn nicht an Gier?

    Augenblicklich verstehe ich den Impuls, die eigene Wut nach außen zu tragen und mich den Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten in Frankreich und Italien anzuschließen. Zumindest im Gedankenspiel. Oder ich ließe gleich, wie die AfD-Spitze laut geleakten Mails im Fall des „Heute-Show“-Reporters Fabian Köster, die Privatadresse der Profiteure dieser unverschämten Preisfindung ermitteln.

    Aber nein, erst einmal essen wir Bibimbap. Und dann: Es lebe der Mungbohnenprotest!

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  • Mein 1-Minute-Interview am MPI für medizinische Forschung (Oktober 2026)

    Mein 1-Minute-Interview am MPI für medizinische Forschung (Oktober 2026)

    Unsere PR-Abteilung am Max-Planck-Institut (MPI) für medizinische Forschung hat ein kurzes Interview mit mir geteilt. Ich wurde gebeten, mich vorzustellen und einen Rat an künftige Forschende mitzugeben.

    Das Skript habe ich erst kurz vor der Aufnahme spontan niedergeschrieben. Ich hatte mehrere belastende Tage hinter mir, sowohl beruflich als auch privat. Ich war recht aufgewühlt und durcheinander, und doch wollte ich das Interview durchführen und nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

    Ich bin dankbar und stolz, Teil der Max-Planck-Gesellschaft zu sein 💖

    Zum Interview auf LinkedIn:
    👉 https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:ugcPost:7515713558890827778/

    Transkription (Original, Englisch)

    Good morning, my name is Moyu Watari-Alvarez, and I have been working at the Max Planck Institute for Medical Research in Heidelberg for almost 10 years now. And before that, I worked at the Max Planck Institute for Intelligent Systems for five years.

    From my own experience, I know what it means to be a PhD researcher, a postdoc, and also to strive for independence as a scientist. But I also know what it means to work in research support, in an IT group, on the Works Council, and in health management.

    This year, I’m turning 50, and what I can say is this: caring for myself and for the people around me is a lifelong learning process. So I want to encourage you and myself to stay passionate and curious about whatever matters to you.

    Judge for yourself what is right and what is wrong, and take responsibility for the predictable consequences of your own action, to paraphrase Noam Chomsky, if I’m not mistaken.

    Thank you.

    Übersetzung ins Deutsche

    Guten Morgen, mein Name ist Moyu Watari-Alvarez, und ich arbeite seit fast zehn Jahren am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Davor habe ich fünf Jahre am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme gearbeitet.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet, Doktorand:in und Postdoc zu sein und als Wissenschaftler:in nach Unabhängigkeit zu streben. Aber ich weiß auch, was es heißt, in der Forschungsunterstützung, in einer IT-Gruppe, im Betriebsrat und im Gesundheitsmanagement zu arbeiten.

    Dieses Jahr werde ich 50, und was ich sagen kann, ist: Für sich selbst und für die Menschen um einen herum zu sorgen, ist ein lebenslanger Lernprozess. Deshalb möchte ich Euch und mich selbst ermutigen, leidenschaftlich und neugierig zu bleiben für das, was Euch wichtig ist.

    Urteilt selbst, was richtig und was falsch ist, und tragt Verantwortung für die vorhersehbaren Folgen Eures eigenen Handelns, um Noam Chomsky sinngemäß zu zitieren, wenn ich mich nicht irre.

    Vielen Dank.

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  • Unser Szechuanpfefferbäumchen

    Unser Szechuanpfefferbäumchen


    In den letzten Tagen ist es herbstlich frisch geworden. Heute habe ich auf dem Balkon die Beeren unseres Szechuanpfefferbäumchens geerntet. Mehr als 400 in diesem Jahr, und das, obwohl es nur in einem kleinen Topf mit 20 Litern Erde wächst. Jedes Jahr trägt es ein paar mehr.

    Den Ableger hat uns 2021 eine liebe Kollegin aus ihrem Garten geschenkt.

    Die Beeren verströmen beim Pflücken einen markanten Duft, und ich muss aufpassen, dass die Dornen mich nicht in die Finger stechen. Jetzt liegen sie in einer Schale zum Trocknen, danach kommen sie in eine Dose.

    Aus Japan kenne ich einen verwandten Bergpfeffer, und ich mag Szechuanpfeffer sehr gern, wenn ich chinesisch koche. Es ist, als wüchse ein bisschen Heimat auf unserem Balkon.

    Jedes Jahr im Februar, wenn sich die ersten Vorboten des Frühlings zeigen, schaue ich genau hin. Hat das Bäumchen den Winter wieder überstanden? Habe ich ihm in der frostigen Zeit zu wenig oder zu viel Wasser gegeben? Bisher hatte ich Glück, und es scheint robust zu sein.

    Wenn ich heute an 2021 zurückdenke, war das ein Jahr, in dem es mir gesundheitlich nach und nach spürbar besser ging und ich mich an die Minimaldosis meines Neuroleptikums gewöhnt hatte. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, in denen ich innerlich viel Schönes und Wichtiges erlebt und aufgebaut habe. Als wäre ich mir nach langem Winterschlaf neu begegnet und hätte mit mir und meiner Welt Frieden geschlossen.

    Mir gefällt der Gedanke sehr, dass das Bäumchen mich in dieser Zeit begleitet hat und mit mir gewachsen ist. Wenn der kommende Winter vorbei ist, werde ich bestimmt wieder ein bisschen um das Bäumchen bangen.

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  • Warum ich jetzt nur 0,5 mg Aripiprazol brauche

    Warum ich jetzt nur 0,5 mg Aripiprazol brauche

    Eine wichtige Warnung zu Beginn. In diesem Beitrag schreibe ich über meine persönlichen Erfahrungen, die nicht als Anleitung verstanden werden dürfen. Liebe Betroffene, bitte macht mir das nicht nach. Ihr könntet erneut psychotisch werden.

    Seit vier Monaten nehme ich täglich 0,5 mg Aripiprazol und habe das Gefühl, dass ich bei dieser Dosis bleiben kann. Meine erste Psychose liegt jetzt genau 16 Jahre zurück. In den ersten sechs Jahren folgte ich dem ärztlichen Rat unhinterfragt und nahm täglich 15 mg Aripiprazol ein. Durch mehrere Umzüge hatte ich verschiedene Psychiaterinnen und Psychiater, und alle bestanden auf dieser therapeutischen Dosis. Auch meine Psychiaterin, die mich damals zuletzt behandelte, wollte nicht mehr als auf 10 mg reduzieren.

    Damit begann mein medikamentöser Selbstversuch auf eigene Faust, den ich bereits in einem früheren Blogbeitrag beschrieben habe.

    Nach meinem Wiederumzug nach Heidelberg 2017 fand ich zu meinem großen Glück einen Psychiater und einen Psychotherapeuten, die mich bei meinem eigenwilligen Selbstversuch begleiten. 2018 und 2019 erlebte ich zwei akut psychotische Rückfälle und war damals auch bei der Arbeit „knall“ wahnhaft. Trotzdem wurde mir nicht gekündigt. Ich erhielt weiterhin Verständnis und Unterstützung.

    Mein Mann hielt zu mir, auch in diesen Jahren, die er als selbst Betroffener mit mehrfachen Psychosen, der seit 2010 keine Psychopharmaka mehr nimmt und seit 2012 nicht mehr in psychiatrischer Behandlung war, als sehr anstrengend erlebt haben muss. Meine Familie hielt zu mir, trotz der großen Entfernung zu Japan, wo meine Eltern und mein Bruder leben. Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters 2023, als ich wieder von Tokio in München landete, nahmen wir gleich am nächsten Tag unsere geliebte Shibahündin auf. Es war ein fliegender Wechsel, als wäre das vorgesehen gewesen, damit ich nicht für immer trauere.

    Verkürzt gesagt nahm ich nach meiner ersten Psychose 2010 sechs Jahre lang 15 mg Aripiprazol ein. Danach erlebte ich drei Jahre Turbulenzen durch zwei Absetzversuche. Anschließend folgten sechs Jahre mit 1 mg. Jetzt nehme ich nach dem insgesamt vierten Absetzversuch seit vier Monaten 0,5 mg ein. So lange bin ich noch nie bei 0,5 mg geblieben, und es fühlt sich richtig gut an.

    Gut, weil ich mehr ich selbst sein kann, wenn ich denke, fühle und handle. Nicht, weil ich keine Probleme und Krisen mehr erlebe. Genau darin liegt der Unterschied. Mit einer therapeutischen Dosis Aripiprazol erlebte ich kaum Probleme und Krisen, weil meine Fähigkeit zur Wahrnehmung, Selektion und Verstärkung von Informationen medikamentös blockiert wurde. Doch dadurch war ich nicht mehr ich selbst. Das war der Preis meiner Rückfallprophylaxe und meiner Stabilität in diesen Jahren.

    Warum kam ich sechs Jahre lang mit 1 mg zurecht und warum komme ich seit vier Monaten mit 0,5 mg zurecht. Weil ich alternative Wege für mich gefunden habe, um mit Problemen und Krisen umzugehen, statt sie medikamentös unerkenntlich zu halten. Weil meine Mitmenschen mir helfen, wenn ich danach frage. Weil die Krankenversorgung und die Arbeitswelt in Deutschland für mich einen Rahmen bieten, in dem ich mit Hilfe meiner Mitmenschen meinen individuellen Weg gehen konnte.

    Es gibt Alternativen zur Medikation von Menschen mit Schizophreniediagnosen. Das kann ich mit meinen persönlichen Erfahrungen bestätigen, und genauso würde mein Mann es bestätigen können. Es ist nicht nur Glück oder Zufall, dass wir beide, individuell und gemeinsam, unsere Schizophrenien und Diagnosen bewältigen können. Ich wünsche mir, dass unsere Erfahrungen von der Fachwelt ernstgenommen werden, damit mehr Schizophreniebetroffene von ihrem Umfeld darin unterstützt werden, selbst über ihre Medikation zu entscheiden und die Möglichkeit erhalten, das eigene Leben für sich selbst besser zu gestalten.

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  • Eindrücke von Hiddensee / Strandsteine & Bleistift / August 2026

    Eindrücke von Hiddensee / Strandsteine & Bleistift / August 2026

    Eindrücke aus unserem 14-tägigen Sommerurlaub auf der Ostseeinsel Hiddensee. Das Video haben wir gestern, am 22. August, anlässlich Chanchans drittem Geburtstag geteilt.

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  • Vielleicht reichen ja auch 0,5 mg pro Tag.

    Vielleicht reichen ja auch 0,5 mg pro Tag.

    Endlich kann ich mich wieder meiner Website widmen. Mein letzter Blogeintrag liegt drei Monate zurück.

    Kurz nachdem ich das Aripiprazol, das ich seit Januar von 1 mg auf 0,7 mg pro Tag reduziert hatte, Anfang März vollständig abgesetzt hatte, bekam ich einen schweren Neurodermitisschub. Er war so heftig, dass ich in der Hautklinik notbehandelt werden musste.

    Inzwischen geht es meiner Haut deutlich besser und sie scheint sich langsam zu stabilisieren. Ich war vier Wochen krankgeschrieben und musste all meine Aktivitäten auf einmal pausieren.

    Diese Pause hat mir gutgetan. Sie hat mir gezeigt, dass ich die Prioritäten in meinem Leben dringend neu ordnen muss. Ich muss und will meine Zeit anders verbringen.

    Ich habe mir vorgenommen, noch stärker auf meine Gesundheit zu achten und meine freie Zeit, wenn ich nicht arbeite, mit meiner Familie zu verbringen. Eine Ausnahme mache ich nur für meine Nachhilfeschülerin. Wir beschränken uns auf zwei Stunden am Samstag.

    Das meiste davon habe ich bereits umgesetzt. Ich merke deutlich, wie positiv sich das auf meine Familie und meine Arbeit auswirkt. Auch ich selbst bin entspannter und kann bewusster denken, fühlen und handeln.

    Was meine Aripiprazoldosis betrifft: Ich hatte das Medikament zwei Monate lang abgesetzt. Seit einem Monat nehme ich es wieder, allerdings nicht meine Basisdosis von 1 mg pro Tag, sondern 0,5 mg. Ich merke, dass ich den Alltagsstress noch nicht ganz ohne Neuroleptikum bewältigen kann.

    Ob ich die kommenden Monate mit 0,5 mg auskomme, weiß ich noch nicht. Ich spüre einen deutlichen Unterschied zu 1 mg, aber auch zu 0 mg. Jedes Zehntel Milligramm weniger macht sich bemerkbar. Und ich bin zutiefst dankbar für jedes Zehntel, das ich nicht nehmen muss, weil ich dann mehr ich selbst bin.

    Das Neuroleptikum betäubt das, was ich bin und was ich denke, fühle und tue, wenn ich es nicht nehme. Dadurch lebe ich ein Stück weniger. Menschen, die das nicht selbst erlebt haben, verstehen nicht, wie schlimm es ist, sich selbst nicht zu sein.

    Nach wie vor werde ich mich dafür einsetzen, dass Psychiatrien und Psychiaterinnen und Psychiater Menschen mit Psychoseanfälligkeiten dabei unterstützen, mit möglichst niedrigen Dosen von Neuroleptika und anderen Psychopharmaka zu leben.

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  • Mein zweiter Artikel bei Mad in Deutschland (März 2026)

    Mein zweiter Artikel bei Mad in Deutschland (März 2026)

    Heute Morgen erschien mein zweiter Artikel bei Mad in Deutschland.

    Es war mir sehr wichtig, meinen Bericht über positive Erfahrungen in der Psychiatrie gerade dort zu veröffentlichen. Kritik am psychiatrischen Versorgungssystem braucht Raum, genauso wie die Bereitschaft zum Dialog.

    Mad in Deutschland vereint beides. Das verdient mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung.

    Hier klicken, um den Inhalt von madindeutschland.org anzuzeigen.

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