Schlagwort: Recovery

  • Mein 1-Minute-Interview am MPI für medizinische Forschung (Oktober 2026)

    Mein 1-Minute-Interview am MPI für medizinische Forschung (Oktober 2026)

    Unsere PR-Abteilung am Max-Planck-Institut (MPI) für medizinische Forschung hat ein kurzes Interview mit mir geteilt. Ich wurde gebeten, mich vorzustellen und einen Rat an künftige Forschende mitzugeben.

    Das Skript habe ich erst kurz vor der Aufnahme spontan niedergeschrieben. Ich hatte mehrere belastende Tage hinter mir, sowohl beruflich als auch privat. Ich war recht aufgewühlt und durcheinander, und doch wollte ich das Interview durchführen und nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

    Ich bin dankbar und stolz, Teil der Max-Planck-Gesellschaft zu sein 💖

    Zum Interview auf LinkedIn:
    👉 https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:ugcPost:7515713558890827778/

    Transkription (Original, Englisch)

    Good morning, my name is Moyu Watari-Alvarez, and I have been working at the Max Planck Institute for Medical Research in Heidelberg for almost 10 years now. And before that, I worked at the Max Planck Institute for Intelligent Systems for five years.

    From my own experience, I know what it means to be a PhD researcher, a postdoc, and also to strive for independence as a scientist. But I also know what it means to work in research support, in an IT group, on the Works Council, and in health management.

    This year, I’m turning 50, and what I can say is this: caring for myself and for the people around me is a lifelong learning process. So I want to encourage you and myself to stay passionate and curious about whatever matters to you.

    Judge for yourself what is right and what is wrong, and take responsibility for the predictable consequences of your own action, to paraphrase Noam Chomsky, if I’m not mistaken.

    Thank you.

    Übersetzung ins Deutsche

    Guten Morgen, mein Name ist Moyu Watari-Alvarez, und ich arbeite seit fast zehn Jahren am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Davor habe ich fünf Jahre am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme gearbeitet.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet, Doktorand:in und Postdoc zu sein und als Wissenschaftler:in nach Unabhängigkeit zu streben. Aber ich weiß auch, was es heißt, in der Forschungsunterstützung, in einer IT-Gruppe, im Betriebsrat und im Gesundheitsmanagement zu arbeiten.

    Dieses Jahr werde ich 50, und was ich sagen kann, ist: Für sich selbst und für die Menschen um einen herum zu sorgen, ist ein lebenslanger Lernprozess. Deshalb möchte ich Euch und mich selbst ermutigen, leidenschaftlich und neugierig zu bleiben für das, was Euch wichtig ist.

    Urteilt selbst, was richtig und was falsch ist, und tragt Verantwortung für die vorhersehbaren Folgen Eures eigenen Handelns, um Noam Chomsky sinngemäß zu zitieren, wenn ich mich nicht irre.

    Vielen Dank.

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  • In Heilung denken

    In Heilung denken

    Bei körperlichen Wunden ist „Heilung“ ein selbstverständlicher Begriff. Kein Arzt und keine Ärztin erwartet dabei Perfektion oder Spurlosigkeit. Narben gehören zur Heilung dazu, ebenso bleibende Empfindlichkeiten. Bei Psychosen und Schizophrenie hingegen habe ich von keinem Psychiater und keiner Psychiaterin bis heute gehört, dass er oder sie von „Heilung“ spricht. Stattdessen ist die Rede von Stabilisierung, Management und Recovery. Heilung scheint hier etwas zu sein, das man nicht in den Mund nimmt. Diese sprachliche Zurückhaltung wirft für mich die Frage auf, warum wir bei seelischen Wunden und Schmerzen weniger zu hoffen wagen als bei körperlichen.

    Psychopharmaka können beruhigen, schützen und Überforderung vorbeugen und damit den Heilungsprozess unterstützen. Problematisch wird es dort, wo Stabilisierung nicht als Übergang, sondern als Dauerzustand verstanden wird, ohne mit den Betroffenen über Genesungs- oder Entwicklungsperspektiven zu sprechen. In einem Zustand verfestigter Beruhigung sehe ich eine Behinderung des Heilungsprozesses. Denn Wunden und Schmerzen müssen sichtbar werden, und ihre Ursachen müssen verstanden sein, bevor sie heilen können.

    Für mich ist Gesundheit keine ärztliche Zuschreibung. Ich habe früh erlebt, dass mir Gesundheit bescheinigt wurde, während ich antriebslos, gleichgültig und adipös war. Heute, mehr als zehn Jahre später, empfinde ich mich als gesund und geheilt – deutlich spürbar auf meinem persönlichen Kontinuum. Für mich ist jemand geheilt, wenn er oder sie es selbst körperlich und psychisch spürt und es weiß. Gerade für Schizophreniebetroffene ist das schwierig, weil in akut-wahnhaften Phasen der eigenen Wahrnehmung nicht getraut wird und dieses Misstrauen oft bestehen bleibt. Umso wichtiger ist es, wieder zu erlernen, die eigene Wahrnehmung mit der Wirklichkeit abzugleichen und sich selbst zu vertrauen.

    Heilung geschieht nicht isoliert. Sie geschieht im Zusammenleben: im persönlichen Umfeld, in Beziehungen, im Alltag. Schweigen kann vorübergehend zum Selbstschutz beitragen, doch Aussprache und Dialog sind notwendig – ein Miteinander auf Augenhöhe –, um bleibende Heilung anzustoßen. Sprechen wir über Heilung. Sie ist mehr als Stabilisierung, Management und Recovery. Denn sie sollte als Hoffnung bestehen – für mich und für andere Menschen mit Schizophreniediagnose.

    Anmerkung zum Foto:
    Das Foto entstand kurz vor meiner ersten Psychose im Sommer 2010. Es trägt den Titel „Sehnsucht“.

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