Schlagwort: Japan

  • Unser Szechuanpfefferbäumchen

    Unser Szechuanpfefferbäumchen


    In den letzten Tagen ist es herbstlich frisch geworden. Heute habe ich auf dem Balkon die Beeren unseres Szechuanpfefferbäumchens geerntet. Mehr als 400 in diesem Jahr, und das, obwohl es nur in einem kleinen Topf mit 20 Litern Erde wächst. Jedes Jahr trägt es ein paar mehr.

    Den Ableger hat uns 2021 eine liebe Kollegin aus ihrem Garten geschenkt.

    Die Beeren verströmen beim Pflücken einen markanten Duft, und ich muss aufpassen, dass die Dornen mich nicht in die Finger stechen. Jetzt liegen sie in einer Schale zum Trocknen, danach kommen sie in eine Dose.

    Aus Japan kenne ich einen verwandten Bergpfeffer, und ich mag Szechuanpfeffer sehr gern, wenn ich chinesisch koche. Es ist, als wüchse ein bisschen Heimat auf unserem Balkon.

    Jedes Jahr im Februar, wenn sich die ersten Vorboten des Frühlings zeigen, schaue ich genau hin. Hat das Bäumchen den Winter wieder überstanden? Habe ich ihm in der frostigen Zeit zu wenig oder zu viel Wasser gegeben? Bisher hatte ich Glück, und es scheint robust zu sein.

    Wenn ich heute an 2021 zurückdenke, war das ein Jahr, in dem es mir gesundheitlich nach und nach spürbar besser ging und ich mich an die Minimaldosis meines Neuroleptikums gewöhnt hatte. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, in denen ich innerlich viel Schönes und Wichtiges erlebt und aufgebaut habe. Als wäre ich mir nach langem Winterschlaf neu begegnet und hätte mit mir und meiner Welt Frieden geschlossen.

    Mir gefällt der Gedanke sehr, dass das Bäumchen mich in dieser Zeit begleitet hat und mit mir gewachsen ist. Wenn der kommende Winter vorbei ist, werde ich bestimmt wieder ein bisschen um das Bäumchen bangen.

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  • Schuhe von Hand waschen – ein kleines Ritual aus meiner Kindheit

    Schuhe von Hand waschen – ein kleines Ritual aus meiner Kindheit

    Anlässlich eines Besuchs haben mein Mann und ich am heutigen Sonntag unsere Wohnung aufgeräumt. Dabei konnte ich mich endlich nach Monaten dazu aufraffen, die schmutzigen Sportschuhe und meine Gummistiefel auf dem Balkon von Hand zu waschen. Dafür nahm ich einen Eimer, eine Handbürste, etwas Waschmittelpulver – und das angenehm warme Wasser aus dem Balkonschlauch.

    Es ist fast 40 Jahre her, dass ich Schuhe auf diese Weise gewaschen habe. In Japan, als ich noch zur Grundschule ging, war es eine Art Hausregel, dass wir drei Kinder unsere schmutzigen Schuhe am Wochenende draußen säuberten. Diese Regel verschwand plötzlich, als ich im Alter von zehn Jahren mit meiner Familie nach London zog. Auch später in Deutschland war das kein Thema mehr. Ich habe hier nie beobachtet, dass Menschen ihre Schuhe mit einer Bürste von Hand waschen – geschweige denn Kinder.

    Umso überraschender war das gute Gefühl, das mich heute beim Reinigen überkam. Meine Hände fanden die alten Bewegungen ganz selbstverständlich wieder. Gleichzeitig tauchte ich gedanklich tief in meine Kindheit ein: wie sehr ich mich damals vor dieser Aufgabe gedrückt hatte, wie eisig das Wasser im Winter war und wie unangenehm es mir war, dabei von vorbeigehenden Menschen gesehen zu werden. Besonders lebhaft erinnere ich mich an die sauberen, noch nassen Schuhe, die ich zum Trocknen auslegte, und an das sonnige Wetter, das mich dabei begleitete. Immer dann spürte ich diese besondere Genugtuung – damals wie heute.

    Es war ein seltener, versöhnender Moment mit meiner Kindheit.

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