In den letzten Tagen ist es herbstlich frisch geworden. Heute habe ich auf dem Balkon die Beeren unseres Szechuanpfefferbäumchens geerntet. Mehr als 400 in diesem Jahr, und das, obwohl es nur in einem kleinen Topf mit 20 Litern Erde wächst. Jedes Jahr trägt es ein paar mehr.
Den Ableger hat uns 2021 eine liebe Kollegin aus ihrem Garten geschenkt.
Die Beeren verströmen beim Pflücken einen markanten Duft, und ich muss aufpassen, dass die Dornen mich nicht in die Finger stechen. Jetzt liegen sie in einer Schale zum Trocknen, danach kommen sie in eine Dose.
Aus Japan kenne ich einen verwandten Bergpfeffer, und ich mag Szechuanpfeffer sehr gern, wenn ich chinesisch koche. Es ist, als wüchse ein bisschen Heimat auf unserem Balkon.
Jedes Jahr im Februar, wenn sich die ersten Vorboten des Frühlings zeigen, schaue ich genau hin. Hat das Bäumchen den Winter wieder überstanden? Habe ich ihm in der frostigen Zeit zu wenig oder zu viel Wasser gegeben? Bisher hatte ich Glück, und es scheint robust zu sein.
Wenn ich heute an 2021 zurückdenke, war das ein Jahr, in dem es mir gesundheitlich nach und nach spürbar besser ging und ich mich an die Minimaldosis meines Neuroleptikums gewöhnt hatte. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, in denen ich innerlich viel Schönes und Wichtiges erlebt und aufgebaut habe. Als wäre ich mir nach langem Winterschlaf neu begegnet und hätte mit mir und meiner Welt Frieden geschlossen.
Mir gefällt der Gedanke sehr, dass das Bäumchen mich in dieser Zeit begleitet hat und mit mir gewachsen ist. Wenn der kommende Winter vorbei ist, werde ich bestimmt wieder ein bisschen um das Bäumchen bangen.
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